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                                        Alternative 2001


The 05: Lovebells
16 Horsepower: Hoarse

22 Pistepitkko:Rally Of Love
Amstrong: Hot Water Music
Animals That Swim: Happyness From A Different Star
Ash: Free All Angels
Augie March: Sunset Studies
Belle and Sebastian: Jonathan David EP
Beta Band: Hot Shots II
Built To Spill: Ancient Melodies Of The Future
Cake: Comfort Eagle
Peter Case: Thank You St. Jude
Catatonia: Paper Scissors Stone
Clearlake: Lido
Dream Syndicate: The Days Of Wine And Roses
The Dukes Of Stratosphear: Songs From The Chocolate Fireball
Eels: Souljacker
Mark Eitzel: The Invisible Man
Everclear: Songs From An American Movie Part 2
Perry Farrell: Songs Yet To Be Sung
Fink: Fink
Future Pilot AKA: Tiny Waves, Mighty Sea
Vincent Gallo: When
Gorky´s Zygotic Mynci: How I Long To Feel That Summer...
Hefner: Dead Media
Hellacopters vs. Flaming Sideburns: White Trash Soul
Hut Recordings 1991 - 2001
Kristin Hersh: Sunny Border Blue
Joy Division: Les Bains Douches 18 December 1979
Loretta: The Swimming Pool
Low: Things We Lost In The Fire
Lowgold: Just Backward Of Square
Manic Street Preachers: Know Your Enemy
Mo Solid Gold: Brand New Testament
The Mother Hips: The Green Hills Of Earth
Motorpsycho: Phanerothyme
New End Original: Thriller
New Order: Get Ready
Heather Nova: South
Ocean Colour Scene: Mechanical Wonder
Pearlfishers: Across The Milky Way
Pennywise: Land of the Free
Iggy Pop: Beat Em Up
Powderfinger: Odyssey No. 5
Preston School Of Industry: All This Sounds Gas
Rollins Band: Nice
Virgil Shaw: Quad Cities
Shea Seger: The May Street Project
Simian: Chemistry Is What We Are
Snowpatrol: When It´s All Over We Still Have To Clear Up
Stereolab: Sounddust
Stereophonics: JEEP
The Strokes: This Is It
Superpunk: Wasser Marsch
Travis: The Invisible Band
VA: Nuggets 2
VA: Substitute - The Songs of the Who
VA: Timeless - A Tribute To Hank Williams
Jim White: No Such Place
Weezer: Grünes Album
Steve Wynn: Here Come The Miracles


 
NEW END ORIGINAL: Thriller (Jade Tree)
Begeisterung macht sich breit

Was kommt heraus, wenn der Ex-Far-Sänger Jonah Matranga und der frühere Texas Is The Reason-Gitarrist Norman Arenas quer durch die USA Tapes schicken? Das vielleicht beste Alternative-Album des Jahres, ein Wechselbad der Gefühle.
Von Liebesliedern über Balladen bis zu 2-Minuten-Punk-Songs ist alles drauf, was gefällt. Abwechslungsreich und ohne Durchhänger. Suchtgefahr! (vf)



  22 Pistepirkko: Rally Of Love (Clearspot/Ixthuluh)
Gitarren vs Electronica

Der Trend ist nicht der schlechteste: Beim Versuch, ihren Sound weiterzuentwickeln, landen viele Bands bei elektronischen Klängen. Wie zuletzt beim Hefner-Album gelingt das auch im Fall der Finnen.
So schaffen sie es, auf ihrem neunten Album seit 1989 zwar ihrem individuellen Sound treu zu bleiben, sich aber auch neues Terrain zu erschließen. Traumhaft! (vf)
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  Eels: Souljacker (Dreamworks)
Neues vom Nerd

Keine ganz leichte Aufgabe, in wenigen Zeilen vom neuen "Eels"-Album "Souljacker" zu berichten. Gut, "Souljacker" ist klar rockiger als die drei Vorgänger-Platten, die melancholische Grundstimmung in den Songs von Mark Oliver Everett alias E blieb dennoch erhalten.
Irgendwie ist alles beim Alten geblieben - und klingt doch völlig anders.
E gibt jetzt den "Dog Faced Boy", den vollbärtigen Nerd aus den weiten Steppen US-amerikanischer Vororte ("You little Punks think you own this town!"), der wie in benamstem Opener die Gitarre ordentlich krachen lässt, die schon einen Song später ein wunderschönes Liebeslied ("Fresh Feeling") begleitet.
Im direkten Vergleich zu den Vorgängeralben ist "Souljacker" allerdings sogar in diesen ruhigeren Momenten deutlich grooviger, ja nachgerade tanzbar. Die Platte erinnert teilweise stark an Beck, ohne E auch nur in die Nähe des Plagiatvorwurfs stellen zu wollen. Und sie wächst mit jedem Hördurchgang, wie wir das früher von den Alben des Herrn Hansen gewohnt waren.
Lassen Sie sich also nicht vom "Cover-Artwork" blenden, "Souljacker" ist ein durch und durch gelungenes Stück Musik geworden. Ganz klare Kaufempfehlung mit jeder Menge Anspieltipps, die wir hier gar nicht näher aufzählen wollen. (tg)
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  Peter Case: Thank You St. Jude (Travellin´Light)
Hinreißender Country-Folk

Der Ex-Sänger der Plimsouls, der seit Mitte der 80er-Jahre solo unterwegs ist, bringt unermüdlich neue Platten heraus. "Thank You St. Jude" ist eine großartige Mischung aus Folk, Country und Blues geworden. Gitarre, Gesang und Fiedel beweisen darauf, dass sie ein ganzes Album locker tragen können. Trauriges Detail am Rande: Ein Vertrieb fehlt, deshalb ist dieses kleine Meisterwerk nur auf den Konzerten (im November tourt er durch Italien und Deutschland) sowie über www.petercase.com zu beziehen. (vf)
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  Gorky´s Zygotic Mynci: How I Long To Feel That Summer In My Heart (Mantra)
Folk-Pop-Soundtrack

GZM sind eigenartige Käuze. Sie mischten Englisch und Walisisch, wenn man die Texte verstand war oft unklar, ob das ernst oder ironisch gemeint war.
Auf ihrem neuen Album singen sie ausschließlich Englisch, deshalb ist das Rätseln, wer im Jahr 2001 solche Texte schreiben und singen kann, erneut ausgebrochen. Hippie-Romantik, soundtrackverdächtige Soundcollagen, die fast an Air erinnern, Liebeserklärungen und engagierte-LehrerInnen-Weisheiten passen nicht ins Bild einer Band, die eigentlich nach zehnjährigem Bestehen und sieben Alben endlich den Durchbruch schaffen sollte.
Doch der durchschlagende Erfolg scheint wieder nicht in greifbare Nähe gerückt zu sein. Sie wehren sich eher mit Händen und Füßen dagegen.
An der Musik liegt es aber nicht, denn ihre melodischen, ruhigen Lieder liegen eigentlich derzeit im Trend. Beim ersten Durchlauf wirken die Lieder harmlos, fast schüchtern vorgetragen, doch sie steigern sich bei öfterem Hören und wirken sehr rund. Wer zusätzlich gern über Texte rätselt (oder darüber, wie man sich nach der Pubertät zu solchen naiven Ergüssen hinreißen lassen kann), ist mit diesem Album gut beraten. (vf)
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VA: Timeless - A Tribute to Hank Williams (Mercury)
Gelungene Referenz

"Er starb zu früh, gerade 29 Jahre jung, auf dem Rücksitz seines Cadillacs, am Neujahrsmorgen 1953." Selbst die Aussendung der Plattenfirma beginnt mit dem unwichtigsten Detail, für das er heute am bekanntesten ist. Dafür kein einziges Wort über seine Lieder.
Die teilnehmenden SängerInnen zeigen in ihren größtenteils gelungenen Coverversionen, was in in den Liedern steckt.
Bob Dylan eröffnet das Album mit "I Can't Get You Off Of My Mind", Johnny Cash beschließt ihn mit "I Dreamed About Mama Last Night".
Mark Knopfler und Emmylou Harris sind mit "Lost On The River" und "Alone And Forsaken" vertreten, Tom Petty, Keith Richards, Sheryl Crow, Beck und Ryan Adams sind ebenfalls mit von der Partie.
Meine Lieblingsnummer ist Lucinda Williams´"Cold, Cold Heart".
Dieses Album macht Lust auf mehr. Empfohlen für harte Jungs mit weichem Kern, Wildwest-RomantikerInnen, Squaws und (allen zukünftigen) Countryfans. (vf)
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  Loretta: The Swimming Pool (naiv)
Stuttgarts unbekannte Seite

Wer sich gängigen Moden und Hypes völlig verschließt, sollte sich warm anziehen oder verdammt gut sein.
Loretta sind gut, wie ihr neues Album beweist.
Die 16 Lieder leben von countryesken Swing, sorgfältigen Arrangements und vor allem von eingängigen Melodien.
Der spritzige Opener"You´re a dead girl now", "Being John Cusack", "What to do in Cooder Pedy" und das langsame "Blood on the moon"sind die Höhepunkte, die Andreas Sauer als begnadeten Songwriter ausweisen.
Ihre ganze Klasse spielen Loretta im Streicher-Test aus: Diese werden nur sparsam und wirkungsvoll eingesetzt, ein sicheres Merkmal für souveränen Stil.
Zum Schluss eine Frage aus aktuellem Anlass: Warum verweisen RezensentInnen (z.B. das aktuelle Rolling Stone) und sogar die Linernotes gerade bei solchen Songwritern und Gitarrenbands immer auf die Beatles, Bob Dylan und Neil Young? Nu Metal-Bands oder (heutzutage so genannte) R´n´B-Acts scheinen das nicht nötig zu haben oder gehen viel selbstverständlicher mit ihren musikalischen Traditionen um.
Also: Zurücklehnen. Nur die Musik genießen. Und genauso selbstverständlich-gleichgültig auf Retro-Vorwürf der Umgebung reagieren, wie es Loretta wohl auch tun. Sonst wäre dieses wunderschöne Album wohl nicht erschienen. (vf)
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  Hefner: Dead Media (Too Pure)
Alive and kicking

Der erste Eindruck war Erstaunen pur. Ein solches Fiepen - das sollen Hefner sein? Richtig, auf ihrem neuen Album haben Hefner einen Schritt gewagt, den Tocotronic auf zwei Alben (KOOK und KOOK-Variationen) gesetzt haben. Doch Hefner wollen alles auf einmal: Sie fügen ihrem minimalistischem Gitarrensound elektronische Effekte hinzu. Das Ergebnis: Sie klingen manchmal wie ihr eigener Remix.
Insgesamt ist das Ergebnis sehr gelungen. Die von den früheren Alben so bekannten und beliebten skurilen Lieder sind geblieben, musikalisch sind sie breiter geworden. Der Trend, Electronica und klassische Gitarrensound zu verbinden geht also ungebrochen weiter. Und selten klingt das Ergebnis so gelungen wie bei hefner. (vf)
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  Heather Nova: South (V2)
Eh sehr nett, aber...

Heather Nova muss man einfach mögen. Auch auf ihrem neuen Album hat ihre Stimme nichts an Faszination verloren. Und die Songs sind auch alle in Ordnung. Doch wie auf ihrem Live-Album verlässt sie sich etwas zu wenig auf sich und flüchtet sich in Zitate der großen amerikanischen Songwriter. Mit anderen Worten: Natürlich findet das Album einen Fixplatz in meinem Plattenregal. Aber ein etwas schaler Beigeschmack bleibt. (vf)
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Stereolab: Sound-Dust (Elektra)
Kreatives aus der Ritterburg

Seit nunmehr zehn Jahren basteln Stereolab scheinbar unermüdlich - bei "Sound-Dust" handelt es sich bereits um ihren 13. Longplayer! - an einem Sound mit hohem Wiedererkennungsfaktor: Britischer Pop, reich garniert mit allerlei Gefiepse aus der bunten Welt der elektronischen Musik, Glockenspiel und Harpsichord obendrauf, zusammengehalten von der süßlichen Stimme Laetitia Sadiers.
Wer sich nach einem kurzen "ach ja, schon wieder eine neue Stereolab" gelangweilt von "Sound-Dust" abwenden mag, liegt dennoch eindeutig falsch. Trotz enormem Output gelingt es der Band um das Songwriterduo Sadier/Gane immer wieder zu überraschen.
"Sound-Dust" bildet hier nicht nur keine Ausnahme, vielmehr setzen sich die zwischen heiter und düster oszilierenden Songs nach und nach in den Gehörgängen fest und fordern nachdrücklich zum wiederholten Konsum auf. Dass Größen wie John McEntire (Tortoise, The Sea & Cake) und Jim O'Rourke das Album produziert haben, sollte auch kritischere Zeitgenossen dazu ermuntern, sich das Album zu Gemüte zu führen.
Der optimale Soundtrack, um an einem verregneten Herbsttag endlich wieder einmal seine "playmobil"-Ritterburg aufzubauen. (tg)
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Motorpsycho: Phanerothyme (Stickman)
Norwegischer Bombast-Rock

Hinter dem merkwürdigen Titel der neuen Motorpsycho steckt ein gewisser Aldous Huxley, der laut Booklet "ein halbes Gramm" dieser Substanz empfiehlt, um die ach so banale Welt in eine strahlende zu verwandeln. Was immer uns die in ihrer Heimat Norwegen immens populären Motorpsycho mit diesem Zitat auf den Weg mitgeben mögen - ihren überproduzierten Prog-Rock-Epen gelingt es nicht wirklich, für bewusstseinserweiternde Momente zu sorgen.
Einen Hauch zu perfekt auf 60er-Sound arrangiert klingt hier alles, um sich nachhaltig ins Herz des Rezensenten spielen zu können. Streichorchester, Bläser, Gitarrensoli stapeln sich auf "Phanerothyme" übereinander, ohne für wahre Lichtblicke zu sorgen. Vielmehr entsteht ab und an der Eindruck, als habe Christian Kolonovits (sie erinnern sich: Vienna Symphonic Orchestra Project) hier seine Hände im Spiel gehabt.
Wer berechtigte Hoffnung in den sympathischen Akustik-Opener "Bedroom Eyes" setzt, wird umgehend vom Rock-Stampfer "For Free" plattgewalzt. Klarer Tiefpunkt: "Go to California". Not my cup of tea. (tg)
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  Animals That Swim: Happyness From A Different Star (Snowstorm/Cargo)
Rückkehr der Gitarren-Epigonen

Gegen ihre Musik ließ sich nie etwas sagen, außer dass ihre Vorbilder immer aus ihrern Platten herauszuhören waren. Deshalb ist ihnen wohl trotz einiger potenzieller Hits immer der große Durchbruch verweigert worden.
Diesmal haben sie sich die Produzenten Dare Mason (Placebo) und Tristan Norwell (Embrace) geangelt, was der CD sehr gut tut. Sie klingen deutlicher selbständiger, doch eine Hitsingle gibt es eigentlich nicht.
Für FreundInnen der ruhigeren Gitarren-Abteilung trotzdem empfehlenswert. (vf)
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  Vincent Gallo: When (Warp/Zomba)
Der multimediale Grenzgänger

Du hast den Namen schon einmal gehört? Sicher! Vincent Gallo spielte in "Buffalo´66" und "Das Begräbnis" großartige, eigenwillige, etwas jenseitige Charakterköpfe. Nun hat er die Schauspielkarriere fürs erste auf Eis gelegt und versucht sich als Sänger/Songwriter. Mit überraschendem Erfolg.
Die Lieder sind zerbrechlich wie die Figuren, die er früher gespielt hat und lassen sich zwischen Folk, Rock und Country nicht genau festlegen. Ein gelungenes Debut. (vf)
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  Rollins Band: Nice (Steamhammer/SPV)
Und wieder grüßt der Vorschlaghammer

Was erwartest Du von einem Rollins-Album? Brachiale Musik und Aufrufe zu Konsumverweigerung und persönlicher Unabhängigkeit?
Das alles gibt es auch dies mal im - ich hab aufgehört zum mitzählen - wie vielten Aufguss. Neu sind diesmal nur eigenartige Background-Sängerinnen, die nicht ganz dazu passen.
Alternative: Seine Spoken Word Auftritte, mit denen er auch Österreich regelmäßig besucht, sind unterhaltsamer. (vf)
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  The Strokes: Is this it (RCA)
Sympathischer Hype

Das Debutalbum der Strokes wurde wie kein zweites in diesem Jahr seit Monaten mit Vorschusslorbeeren überschüttet.
Teilweise zu Recht: Die elf Songs klingen, als wären 1977 aufgenommen und bringen die rohe Energie von Punk um Klassen besser als die übrigen Bands, die sich seit einigen Jahren mit diesem Prädikat schmücken, herüber. Was die Songs von reinen Plagiaten abhebt sind die guten Texte.
Nicht die angekündigte Revolution, aber ein Lebenszeichen des Alternative Rock: Es geht auch ohne Streicher und Orchester. (vf)
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  New Order: Get Ready (WEA)
Erwartungsgemäß gut

Die monatelange Ankündigung, Ex-Smahing Pumpkin Frontmann Billy Cogan werde auf dem New Order-Debutalbum mitwirken, machte mir ja zugegebenerweise etwas angst. Bringen sie es allein nicht mehr?
Als ich die Vorabsingle "Crystal" hörte, war ich versöhnt. So klangen Sumner, Hook, Morris und Gilbert schon immer.
Und Billy Corgan? Er singt auf "Turn my way" und seine verzweifelte Stimme macht dieses Lied zum besten des ganzen Albums. Vor allem Nostalgie, aber auf höchstem Niveau. (vf)
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  Simian: Chemistry Is What We Are (Source/Virgin)
Pink Floyd meets Electronica meets Folk

Ein Jahr nach der "Watch It Glow"-EP veröffentlichen Simian endlich ein ganzes Album. Die ersten beiden Tracks, "Drop and roll" und "The wisp" waren schon auf dieser vertreten, die restlichen Songs sind neu.
Und so fangen beide gleich gespenstisch an: Eine Harmonika und seltsame Schlaginstrumente fiepsen und trommeln eintönig vor sich hin, bis die restlichen Instrumente einsetzen.
Die neuen Lieder lassen neben elektronischen Spielereien mehr Platz für akustische Gitarren und konventionelle Songstrukturen. Das faszinierendste daran sind die kaum merklichen Übergänge, einzelne Instrumente oder Töne verschwinden, während sich andere langsam aufbauen. Umso erstaunlicher ist, dass das Album ultra-kompakt klingt.

Trotz der Vielschichtigkeit schmiegen sich die Lieder elegant und wie selbstverständlich aneinander.
Das klingt psychedlisch und ist es auch in hohem Maße. Die verspielte Ader des Quartetts erinnert auch immer wieder an Pink Floyds "Piper At The Gates Of Dawn".
Trotzdem behauptet Simian-Sänger Simon Lord ständig, dass sie eigentlich keine "mental drug freaks" sind. Solange sie so eine eindrucksvolle Mischung aus Pop, Dub, Elektronik und Psychdelic machen, soll mir das recht sein.

Bleibt nur zu hoffen, dass sie mit ihrer "Church of Simian" bald einmal Österreich beehren. Ihre angeblich sensationellen optischen Effekte und die zwei chinesischen OpernsängerInnen, die sie live begleiten, klingen mehr als vielversprechend. (vf)
Wer mehr wissen will: www.wearesimian.com
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  Augie March: Sunset Studies (BMG)
Australien meldet sich zurück - und den Sommer ab

"The hole in your roof" - wenn ein Album mit einem solchen Lied beginnt, hat es den Weg ins Radio und die Verkaufslisten schon verfehlt. Doch nachdem die Band vier Jahre an ihrem Debutalbum gearbeitet hat, wird sie sich wohl bewusst für diesen Weg entschieden haben.
Augie March heben sich durch ihre verträumten Texte und perfekten Harmonien wohltuend vom Mainstream der Gitarrenpop/60ies-Revival-Bands ab.
Natürlich gehören sie in diese Ecke, doch reines Kopieren und den Altar von Beatles, Beach Boys & Co neu schmücken ist ihre Sache nicht.
Auf "Sunset Studies" bringen sie 15 abwechslungsreiche Songs, von denen sich vor allem "There is no such place" im Gehörgang einnistet.
Mehrstimmiger Gesang, Wechsel zwischen akustischer und elektrischer Gitarre sowie australische Folk-Anklänge zelebrieren verhalten das Ende des Sommers. (vf)
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  Built To Spill: Ancient Melodies Of The Future (WEA)
Perfekter Americana-Sound von Doug Martsch & Co

Rezensionen von Built To Spill-Alben sind langweilig zu schreiben und zu lesen.
Ja, er ist seinem großen Vorbild Neil Young noch einen Schritt näher gekommen.
Ja, diesmal ist er wieder singletauglicher, da die meisten Lieder im radio- und videokompatiblen 4-Minuten-Format sind. (Videos gibt es aber trotzdem nicht.)
Nein, ein Kniefall vor dem Major-Label WEA ist das keinesfalls, denn er verfeinert seinen Stil weiterhin unbekümmert von allen Moden, die um ihn herum die newsgeilen Medien und MusikkonsumentInnen beschäftigen und sein glamouröses Hinterwäldler-Outfit trägt er nach wie vor völlig selbstverständlich. Einzig das pothäßliche Cover ist voll daneben gegangen.
Anspieltipps: Fly Around My Pretty Little Miss, Strange und Alarmed. (vf)
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  Perry Farrell: Song Yet To Be Sung (Virgin)
Ganz übler Stoff vom Ex-Jane´s Addiction-Mann

Schon das Cover läßt das Schlimmste befürchten: Farrell in goldenem, wehendem Gewand, eine glamouröse Version der Red Hot Chilli Peppers.
Gnau so klingt dann auch das Album. Offensichtlich fehlen ihm jegliche Ideen, was er durch Effekte und moderne Studiotechnik nur sehr oberfächlich verdeckt.
Zweitklassiger Drum&Bass statt teils doch interessante Musik wie bei Jane´s Addiction und Porno For Pyros. Eine der unnötigsten Platten des Jahres. (vf)
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  Catatonia: Paper Scissors Stone (WEA)

Das vierte Album der walisischen Band, die vor zwei Jahren bereits am Ende schienen, bringt sie wieder zurück an die Spitze der britischen Popbands.
Cerys Matthews beweist, dass sie eine einmalige Stimme besitzt und diese auch gezielt einsetzen kann. Lieder wie "The Mother Of Misogony" und der "Blues Song" gehören zu den schönsten Liedern dieses Sommers.
Die Songs sind ebenfalls besser geworden und schließlich schafft es die Band, den verschlungenen Wegen von Matthews Stimme zu folgen.
Das hymnische "Stone By Stone" könnte die langersehnte #1-Single werden. Zu wünschen wäre es ihnen. (vf)
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  Dream Syndicate: The Days Of Wine And Roses (Warner)
Lang überfällig: Eines der besten Debutalben der Rockgeschichte auf CD

Lang wurde es bereits angekündigt, nun ist das Debutalbum von Dream Syndicate aus dem Jahr 1982 endlich als CD-Reissue erschienen. Die neun Lieder wurden durch acht BonusTracks ergänzt: Vier Tracks stammen von der "Down There"-EP, zwei Proberaumversionen, ein Alternative Take und "Last Chance For You", das bisher meines Wissens auf keiner offiziellen Platte erhältlich war.

Die Band um den Sänger und Gitarristen Steve Wynn (einen der musicselect-Hausgötter) bildete anfangs der 1980er Jahre das Zentrum des "Paisley Underground", zu dem auch Bands wie Green On Red, Rain Parade und Long Ryders gehörten. Zu dieser Zeit spielten sie auch regelmäßig mit REM.

Vom Opener "Tell Me When It´s Over", über das bittersüße "When You Smile", das abgeklärte "Too Little, Too Late" (einmalig gesungen von der Basistin Kendra Smith) bis zum Titeltrack gibt es keine schwache Stelle. Steve Wynn und Karl Precoda harmonierten traumhaft an den Gitarren.

Unter Fans wird "The Days of..." meist als das beste Album von Dream Syndicate gehandelt. Sicher ist jedenfalls,dass sich der Stil nach dem Ausstieg Precodas vom eher krachigen Garagerock in Richttung Americana entwickelte. Und egal, wie man die folgenden Alben einschätzt, bei denen Steve Wynn vor allem als Songwriter immer besser wird, gehört "The Days of..." in jede Plattensammlung. Deshalb ist es auch musicselect-Album des Monats. (vf)
P.S.: Die Lyrics gibt´s hier
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Preston School of Industry: All This Sounds Gas (Domino/Zomba)
Scott Kannberg versucht auch solo wie Pavement zu klingen
Nun hat auch der zweite Pavement-Veteran ein Soloalbum veröffentlicht und - völlig unerwartet - klingt es wie Malkmus´genau so, als wären die Jungs noch die besten Freunde. Selbst bei der Stime war ich mir streckenweise nicht ganz sicher.
Was eigentlich nett klingt, wirft spätestens im zweiten Durchlauf die Frage auf: Wer braucht das? Entweder ich habe genug Pavement-Material imHaus oder Hopfen und Malz sind sowieso schon verloren. Deshalb bleibt zu hoffen, dass das der letzte Aufguss war und nicht der Startschuss für die ungehemmte Leichenfledderei. (vf)
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  Cake: Comfort Eagle (Columbia)
"I Will Survive" war keine Eintagsfliege

Drei Jahre nach ihrem letzten Album "Prolonging The Magic" und 5 Jahre nach ihrem größten Hit, der genial schrägen Coverversion von Gloria Gaynors "I Will Survive" wollen es Cake noch einmal wissen.
Stilistisch hat sich wenig getan, wenn man von verstärkten Psychdelia- und Früh1970er-Einflüssen absieht.
Ihre Stärken liegen nach wie vor auf distanzierten Texten und sorgfältig arrangierten Liedern, hinter denen die Band sich erfolgreich versteckt. Die zeigen sich aber ersten ab dem dritten Lied, von den ersten beiden sollte sich niemand abschrecken lassen. "Shadow Stabbing" hebt im Refrain ab und ab diesem Moment ist man gefangen. Das nach Lou-Reed klingende "Short Skirt/Long Jacket" groovt und überrascht mit der unsterblichen Zeile: "I want a girl with a mind like a diamond".
Höhepunkt ist das ironisch gebrochene "Love You Madly", das mehr Vorstellung als Beschreibung der Realität bleibt. (vf)
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Beta Band: Hot Shots II (EMI)
Totgeglaubte leben länger

Kaum eine Band hat innerhalb ihrer kurzen Karriere so viele Hochs und Tiefs erlebt: Ihrer ersten drei EPs wurden mit allen erdenklichen Superlativen bedacht, eines ihrer Lieder hatte einen effektvollen Gastauftritt im Film "High Fidelity" und ihr erstes Album - gefiel niemandem.
Zwei Jahre haben sie sich nun Zeit genommen für den Nachfolger und diese gut genutzt.
Hot Shots II enthält 10 Lieder, die sich bei Hörgang ansprechender werden. Diesmal haben sie die Gratwanderung geschafft: Sie machen vielschichtige, komplizierte Musik, die auch nebenbei gehört werden kann. Je aufmerksamer und öfter man zuhört, desto mehr öffnet sie sich aber.
Hot Shots II schließt nahtlos an die frühen Eps an. Allein der Spaß die verwendeten Instrumente herauszuhören ist den Erwerb wert. (vf)
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  The Dukes of Stratosphear: Chips From The Chocolate Fireball (Virgin)
CD-Anthologie des XTC-Nebenprojekts

Das kurze britische Psychdelic-Revival Mitte der 1980er brachte nicht nur die englischen FReakbeat-Bands der 1960er in Erinnerung, sondern verleitete XTC auch zu einem kurzen Seitensprung. "25 O´Clock" und "Psonic Psunspot". 1985 und 1987 erschienen, wurden sie von John Leckie (Stone Roses) produziert. "25 O´Clock" ist härter und mehr an Freakbeat oder frühen Pink Floyd orientiert, während "Psonic Psunspot" die verträumtere Seite der Drogenkultur repräsentiert. Wer sie nicht kennt, sollte zuschlagen. Wer die Platten zerkratzt zu Hause stehen hat auch. (vf)
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  Hut Recordings 1991-2001 (Hut)
Nettes Geburtstagsständchen des englischen Labels

The Auteurs, The Verve, Placebo, Embrace, Gomez, Richard Ashcroft - wenn das Hut-Label Geburtstag feiert, stellen sich ihre illustren Acts ein. Mit 14 Liedern natürlich nur ein grober Überblick, dafür kommt diese Compilation zum Low Price. Wem die Bands nichts sagen: Eine kurze und schmerzlose Einführung in den gehobenen Britpop der 1990er. (vf)
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  Virgil Shaw: Quad Cities (Munich Recs.)

Ein Mann und seine Gitarre - Virgil Shaw ist ein Songwriter, der sich msuikalisch von keinem Trend beirren läßt. Die Titel der Lieder lassen auch vermuten, dass nur die wenigsten bei seinen Themen mitreden können: "Carving soap", "Surfboard shaper" oder "Diamond trade". Daneben gibt es noch eine wunderbar exzentrische Coverversion des Soul-Klassikers "For Your Precious Love". (vf)
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  The Mother Hips: The Green Hills of Earth (Munich Recs.)

Wer diese CD gedankenverloren anhört, wird sich plötzlich die Augen und Ohren reiben: DAS soll das Jahr 2001 sein?
Klingt einerseits nach späten 60er und frühen 70er Jahren, es erinnert an Blues, an Songwriter, manchmal sind die Gitarrensoli etwas zu lang (einziger Kritikpunkt) - trotzdem hört sich so das neue Jahrtausend an. "Rich little girl" könnte von den Stones in der Beggar´s Banquet Phase sein - bis die Stimme einsetzt. Sehr druckvolle rockige Lieder finden sich ebenso wie verträumte akustische Kleinigkeiten. Besonders die Mehrstimmigkeit erinnert an Bands wie die Byrds oder Wilco. Etwas besonderes. (vf)
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  Iggy Pop: Beat Em Up (Virgin)

Die Vorankündigungen klangen machten mir ja den Mund wässrig: Das neue Album sollte wieder härter sein,...
Härter stimmt sogar. Doch was ist mit den Gitarren passiert? Metal vom übelsten ist das Ergebnis. Würde nicht Iggy Pop draufstehen, würden mit Ausnahme von einigen Freaks niemand auch nur ein einziges Lied zu Ende hören. Fürchterlich. (vf)
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  Belle and Sebastian: Jonathan David EP (Jeepster/Ixthuluh)

Die neue Single schließt sich nahtlose in die letzten B&S-Singles an: Stark piano- bzw orgelorientiert ist sie schneller und rockiger als die letzte LP. Der Titeltrack scheint wieder einmal wahllos ausgesucht, denn "The loneliness of a middle distance runner" würde nach meiner Meinung mindestens ebenso zum Titeltrack taugen. (vf)
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  The O5 - Lovebells (Trees on Saturn Records)

Späte Ehrbezeugung für Marianne Mendt erweist die in der Neo Sixties-Ecke angesiedelte Wiener Gitarrenband 005 auf seiner Maxi-CD.
Covern sie doch einfach den legendären Austro-Soul-Hit "Wie a Glockn" in einer englischsprachigen Version.
Durchaus charmant ergänzen sich elektronisches Hintergrundsgeblubber und durchgehende Wah Wah Gitarren-Linien.
Im Remix gesellen sich dann noch Bläser-Samples dazu. Neben drei "Bell"-Versionen gibt's dann noch eine live Nummer als Draufgabe.
Fazit: Frischer Popaufguß eines Klassikers passend zur Sommersaison in psychedelischen Wasserfarben und hippen Outfit. (dp)
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  V.A. - Nuggets II: Original Artyfacts From The British Empire & Beyond (Rhino)

Nach der CD-Box Nuggets I, die sich ausschließlich auf US-Garage Bands konzentrierte, folgt nun der Blick über die Landesgrenzen hinaus. Im Zentrum der ausgegrabenen Freak-Beat, Psychedelia und R`n`B Obskuritäten und heimlichen Klassikern aus den Sechzigern steht Groß Britanien.
Irgendwie packt einen da schon leichte Wehmut, wenn man daran denkt, wie sich unsereins mühsam von diversesten Samplern (Rubble Collection, Chocolate Soup, Perfumed Garden etc.) die Kleinode zusammensammeln musste.

Auf vier CDs finden sich nun die Popjuwelen Ihrer Majestät verbraucherfreundlich versammelt und mit einen 100-seitigen Booklet großzügig ausgestattet.
Kultnummern wie Tintern Abbeys "Vacuum Cleaner", Wimple Witchs "Save my Soul" oder Les Fleurs de Lys "Mud in your eye" zeugen von der Qualität der hochkarätigen Zusammenstellung.
Auch außerhalb des vereinigten Königreichs wurde man fündig.
Geheimtips wie die holländischen Q 65 und The Outsiders, die brasilianischen Tropicalisten Os Mutantes oder die Playboys aus Australien, beweisen, daß sich die Bands von "beyond" (joviales Zugeständnis?) zumindest ebenbürtig sind.

Jetzt kann man natürlich wieder meckern und sich zu recht fragen, wo die fehlenden französischen, spanischen, deutschen usw. Vertreter bleiben? Und überhaupt..... STOP!
Vielleicht kommt ja bald Nuggets Nummer 3.
Fazit: Gratulation an Alec Palao and Gary Stewart für die gelungene Zusammenstellung, ein unbedingtes Muss für Sixties-Freaks. (dp)
Mehr Info und Bestellmöglichkeit bei Rhino
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  Amstrong: Hot Water Music (Clearspot/Ixthuluh)

Amstrong fanden mit ihrem Debütalbum "Sprinkler" 1999 in der Musikpresse begeisterten Zuspruch. Dieser war aber mit einer eindeutigen Etikettierung verbunden: Triphop.
Amstrong haben fast die gesamten zwei Jahre seither an ihrem neuen Album gearbeitet und haben den Spagat zwischen Festhalten am alten Sound und Integration klassischer Songstrukturen geschafft.

Die meisten Lieder bestehen im Kern aus einfachen Melodien, die dann elektronisch unterlegt bzw. überlagert und mit der hypnotischen Stimme Marie-Louise Muncks angereichert werden. Gerade wegen der leisen, verhaltenen Grundstimmung geraten die Dissonanzen umso wirkungsvoller und die Provokationen gehen auf.
Zum Einstieg empfiehlt sich "86 Heat". Ein verzerrtes Gitarrenriff bildet das Rückgrat, dahinter stampfen Bass und Schlagzeug langsam und bedrohlich, während sich der Gesang klagend erhebt.

Einer der gelungenen Beweise, wie sich klassisches Songwriting und Elektronik verbinden lassen. Velvet Underground würden 2001 genau so klingen. (vf)
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VA: Substitute - The Songs Of The Who (Edel)
Es ist eine Sache, dass die Who zu den überbewertetsten Bands der Rockgeschichte zählen. Die Qualität ihrer Songs allein kann ihren Ruhm kaum begründen. Mindestens ebenso wichtig war Keith Moon mit seinem beeindruckendem, unorthodoxen Schlagzeugspiel inklusiv konsequenten Abgang und Townshend beim Smashen seiner Rickenbecker.
Dieser Zugang macht die Who so faszinierend.
Von den Bands, die der größten Modband aller Zeiten hier Tribut zollen, haben das nur The Sex Pistols (Substitute) und Patti Smith (My generation) begriffen. Die Stereophonics, Cast, Fastball, Phish und Ocean Colour Scene gehen zielstrebig daneben. Die Höhepunkte dieses Albums sind wenig überraschend Paul Weller (Circles) und sehr überraschend Sheryl Crow mit ihrer Country-angehauchten Version von "Behind Blue Eyes". Nicht zu vergessen David Bowies Version von "Pictures of Lilly", die auf seinem Tribute-Album "Pinups" gut aufgehoben wäre. (vf)
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  Joy Division: Les Bains Douches 18 December 1979 (NMC)

Das legendäre Konzert von Joy Division, bisher nur auf überzahlten Bootlegs erhältlich, gibt es endlich auch regulär. Zwischen den beiden Studioalben in einem Pariser türkischen Bad aufgenommen zeigt es Joy Disvision auf dem Höhepunkt ihrer kurzen, aber umso fanatischeren Karriere.
Vor allem im Vergleich zu den Live-Songs auf dem posthum erschienen Album "Still" ist der Unterschied frappierend. (vf)
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  Travis: The Invisible Band (Independiente)

"The man who..." spielte Travis langsam, aber sicher in die Herzen unzähliger Fans, auch solcher, die mit derartiger Musik sonst wenig anzufangen wissen. Es war ein eindeutiges Konsensalbum, vergleichbar mit dem Debut von Portishead, an dem ebenfalls alle Gefallen gefunden haben. "The Invisible Band" wurde schon seit Herbst 2000 ständig angekündigt, die Aufnahmen per Webcam übertragen.
Hat sich das Warten gelohnt? Definitiv ja!
Schon die erste Single "Sing" hat gezeigt, dass sie perfekte Popsongs schreiben und Fran Healy hat wohl die ebenso perfekte Stimme.
Neben einigen Songs im Singleformat gibt es mit "Flowers in the window" und "Safe" auch zwei lange Nummern, die dem typischen Strophe-Refrain-Schema entwachsen.
Insgesamt hält das Album, was das Coverbild verspricht: Entspannte Stimmung, einigermaßen sonniges Gemüt, keine rockigen Gitarrensoli, die es auf dm Vorgänger gab. (vf)
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  Mo Solid Gold: Brand New Testament (Chrysalis/EMI)

Eine fette Orgel, Bass und Schlagzeug stampfen, die Gitarre jault und dann - diese Stimme. Woher kenne ich das bloß? Schnell im Booklet nachgeschaut, doch der Song ist von Mo Solid Gold.
Dieses Spielchen wiederholt sich bei allen Liedern dieses groovenden und mitreissenden Blues-Albums. Die Jungs haben offensichtlich ihre Hausaufgaben gemacht: Jimi Hendrix, Brian Auger, Cream, Doors, War und Rory Gallagher heißen einige der Säulenheiligen und deren Sound wird perfekt ins neue Jahrtausend gerettet.
Das einzige Problem: diese ständige Unsicherheit, ob die Songs nicht doch gecover sind.
Wer mit dieser Frage leben kann, wird helle Freude mit diesem Album haben.
Wer im Zweifel lieber zu den Originalen greift:
Jimi Hendrix: Are You Experienced;
Brian Auger: My First Album;
Cream: Disraeli Gears, Wheels of Fire;
Doors: The Doors, L.A. Woman;
War: Eric Burdon Declares War;
Rory Gallagher: Taste (mit Taste); Irish Tour´74 (solo). (vf)
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  Pennywise: Land Of The Free (Epitaph)

Auf ihrem inzwischen siebten Album beweisen Pennywise, dass Punk heute noch Inhalte transportieren kann und nicht nur im Verdoppeln der Geschwindigkeit beim Nachspielen von Klassikern besteht.
Trotzdem: Von Bad Religion und NOFX haben sie sich nie ganz emanzipieren können und gleich der erste Song "Time Marches ON" könnte ebenfalls von BR sein.
Solche Flashbacks in die Hochblüte des melodischen Punk Anfang der 90er sind zwar gerade beim Vergleich mit vielen heutigen Bands nett - doch an "No Control" kommt das nicht heran. Wer die alten Platten hat, wird auf diese zurückgreifen und ob mit diesem Sound junge Fans gewonnen werden können ist doch mehr als fraglich. (vf)
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  Weezer (Geffen/Motor)

Als Weezer vor sieben Jahren mit dem titellosen "Blauen Album" ins Rennen gingen, brachte ihnen das einzige langweilige (und trottelhafte) Lied, "Buddy Holly", weltweiten Ruhm und Anerkennung. Ein Jahr danach verfehlte "Pinkerton" den Geschmack des Publikums, obwohl es nur aus exzellenten Tracks bestand.
Das neue "Grüne Album" sollte wieder an den anfänglichen Erfolg anschließen.
In Weezer-Tradition besteht es aus 10 Liedern, die knapp 40 Minuten dauern, es gibt keinen Album-Titel, aber neun Spitzen-Songs und einen eher schwachen, "Hash Pipe", der prompt zur ersten Single erkoren wurde.
Weiterentwicklung des Sounds? Wäre unnötig. Spaß-Faktor? Hoch.
Höhepunkte des Albums? Je nach Laune das lässige "Island in the Sun", das trashige "Simple Pages", "Smile" oder der melanchloische Ausklang "O Girlfriend". (vf)
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  The Pearlfishers: Across The Milky Way (Marina/Ixthuluh)

Beim Wettbewerb des besten Beatles- oder Beach Boys-Albums, das diese aufzunehmen vergessen haben, sind die Pearlfishers mit ihrem dritten Album ein heißer Anwärter auf einen Spitzenplatz. Der Titeltrack nimmt die ganze Platte vorweg: Klassische Popsongs mit 60er-Gitarrenriffs, griffigen Melodien, mehrstimmigem Gesang und einem naiven Glauben an das Gute in der Welt. Elektronische Beats wie in "Steady With You" wirken da fast schon ironisch, passen sich aber gut in das Gesamtkonzept ein.
Wer nicht ständig dem letzten neuesten Schrei nachhechelt wird auf diesem Album keinen schlechten Song finden.
P.S.: Pearlfishers-Frontmann David Scott hat auch das Beach Boys-Tribute Album "Cariline Now!" produziert. (vf)
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  Mark Eitzel: The Invisible Man (Matador/Zomba)

Der amerikanische Sonderling legt sein viertes Soloalbum seit Auflösung seiner Band American Music Club 1993 vor. Stilistisch ist er sich treu geblieben: Der kommerziell erfolglose, in unseren Breiten völlig ignorierte Songwriter vertraut auf gestandenen Gitarren und baut mit klassischer Rockbesetzung seine eigentümlichen Klangwelten. Wem Steve Wynn und Dream Syndicate, Green On Red, Long Ryders, Continental Drifters oder Wilco zusagen, der wird eine helle Freude haben. Um die anderen kümmert sich Eitzel sowieso nicht. (vf)
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  Shea Seger: The May Street Project (RCA/BMG)

Entgegen aller Gerüchte sind Kleinstädte die Hölle. Shea Segers kann ein Lied davon singen, sie kann mit ihren Geschichten sogar ihr ganzes Debutalbum füllen.
Stilistisch handelt es sich em ehesten um Folk (Always), den sie mit ihrer hellen und klaren und markanten Stimme vorträgt. Dabei profiliert sie sich als Songwriterin, die stilistisch vor Grenzgängen nicht zurück schreckt.
In "Rooftop Animals" integriert sie vorsichtig Elektronik, "Last Time" ist fast popartig üppig.
Ein Ohrwurm und mein Lieblingslied ist "Clutch", ein dynamischer Dialog zwischen Stimme und wechselnden Instrumenten .
Insgesamt erinnert die Stimmung des "May Street Project" an Shivarees Album "I Oughta..." vom letzten Jahr. Unbedingt merken! (vf)
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  Future Pilot AKA: Tiny Waves, Mighty Sea (Geographic)

Sushil K. hat bereits einiges ausprobiert. Mit den Soup Dragons machte er vor zehn jahren erstmals auf sich aufmerksam, danach verschrieb er sich der elektronischen Musik.
Auf seinem neuesten Album verbindet er Pop, Folk und indische Grooves. Wer einen Sound wie bei den Cornershop vermutet, liegt aber falsch. Die 13 Lieder reichen von Stücken wie "Amanda Is The Ocean", bei dem Katrin Mitchell (Pastels), Vinita Dade und Isobel Campbell (Belle & Sebastian) singen bis zum psychedlisch-märchenhaften "Darshan". Dieser Track ist der Höhepunkt des Albums, er verbindet das indische Flair perfekt mit echo-Gitarren und unruhiger Rhythmik. (vf)
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  Lowgold: Just Backward Of Square (Pias)

Ähnlich wie Low (siehe unten) haben sich Lowgold den sanfteren, weichernKlängen verschrieben. Vergleiche mit Belle & Sebastian oder Coldplay vertragen sie trotzdem oder gerade deshalb gar nicht.
Außer Streit steht aber, dass ihnen ein hörenswertes Album mit eingängigen Melodien, regnerischer Stimmung und sonnigen Anflügen gelungen ist. Bei "Beauty Dies Young" oder "Mercury" geht dieses Konzept mit dem teils zweistimmigen Gesang und den sparsam eingesetzten Gitarren, die vorsichtig rocken, am besten auf.
"There is no point - there is no coincidence - caus only you could know - all I want is - out of reach". Was sie wirklich wollen bleibt ungesagt, die Worte schwindeln sich um den eigentlichen Punkt herum.
Aus diesem Stoff sind Träume gemacht. Und in diesen Liedern finden wir uns alle wieder (vf)
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  Low: Things We Lost In The Fire

Die Leisen Gitarrenklänge haben in den letzten Jahren so stark an Popularität gewonnen, dass es mir manchmal schon zu sensibel zugeht.
Low übertreffen sich bei ihrem neuen Album selbst. Die Texte werden maximal gehaucht, im extremsten Fall zweistimmig vorgetragen.
Dabei schaffen sie es trotzdem immer wieder eine völlig unerwartete Spannung aufzubauen und den Liedern - bevor sie zu sehr hängen - einen Schubs in die richtige Richtung zu geben. (vf)
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  Everclear: Songs From An American Movie Part 2
Dieses Album schließt - no na - direkt an Part 1 an. Das heißt: Kraftvolle Gitarren, wütender Gesang und viel Lärm. Klingt ganz ok? Ist es auch, doch 10 Jahre nach Nirvana sollten sich die Jungs nicht nur auf diese Masche verlassen. Denn solche Alben gibt es wie Sand am Meer. Und mit jeder Wiederholung wird es unwahrscheinlicher, dass sich jemand sowas kauft. (vf)
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  Powderfinger: Odyssey No. 5 (Universal)

Mit Neil Young haben Powderfinger leider wenig am Hut. Die 11 Lieder des Albums setzen zwar auf Gitarren, aber die Band hat offenbar selbst gemerkt, dass das nicht ausreicht. Abhilfe sollen dick aufgetragene Orchesterpassagen schaffen, die den Soundm aber nur eindicken.
Alles in allem ziemlich daneben. (vf)
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  Manic Street Preachers: Know Your Enemy (epc/Sony)

Auch nach zehn Jahre sind die Manics nicht zu unterschätzen.
Im Gegensatz zu ihrem letzten Album "Tell me..." rocken sie diesmal wieder mehr und haben die meisten Lieder weniger barock produziert. Sie verlassen sich auf die zündenden Songs und auf die Texte, bei denen man Ernst und Ironie oft schwer unterscheiden kann (Freedom of speech won´t feed your children).
Ausnahmsweise ist auch der meiner Meinung beste Song als erste Single ausgekoppelt worden. Wer "So why so sad" nicht mag, soll mich gar nicht mehr anreden. (vf)
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  Ash: Free All Angels (Edel)

Nach ihrem mißglückten zweiten Album zeigen Ash auf "Free All Angels" wieder, was sie können: Eingängige Ohrwürmer schreiben, die aus melodiösem Gesang und kraftvollen Gitarren bestehen, aber auch als reinster Pop durchgehen.
Die Single "Shinig Light" klingt fast schon so pathetisch wie die Manic Street Preachers zu Zeiten von "Tell Me Your Truth...".
Doch so mitreißend wie "Girl On Mars" ist kein Lied geworden. Mit anderen Worten: Wem die erste Platte von Ash gefallen hat, der kann getrost wieder zugreifen. Doch auffällige Weiterentwicklungen oder Veränderungen hat es nicht gegeben. (vf)
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  Clearlake: Lido (Domino/Zomba)

"It never stops raining, there is no point in conplainig": So beschreiben Clearlake den regelmäßigen Horror des "Sunday Evening". Was so resignativ beginnt endet dank exzellenter Gitarren, einer markanten Stimme und toller Songs in einem Triumph .
Das Debutalbum der jungen Briten besticht durch klagenden Gesang, hinter dem Orgel und die exakt dosierten Feedbacks der Gitarren, die ständig zwischen Krachern Marke "My Bloody Valentine" und wunderschönen Popsongs (vergleichbar mit Hefner) pendeln.
Verträumte Lieder wie "Jumble Sailing" oder das umwerfend komische "Life Can Be So Cruel" wären allein den Kauf dieser Platte wert.
Wieder einmal ein ungestümes und lautes Lebenszeichen fantasievollen alternativen Gitarrenrocks.
Oder um mit ihren eigenen Worten zu sprechen: Something to look forward to. (vf)
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  Fink: Fink (Lage dor/Zomba)

Fink erfreuen uns mittlerweile mit ihrem vierten Album, das stilistisch nahtlos an die drei Vorgänger anschließt.
Sie erinnern wieder einmal daran, dass es sicher keine andere europäische Band gibt, die so amerikanisch Country und Folk spielt, ohne dabei in simple Revival-Plattheiten abzugleiten.
Nicht nur musikalisch, auch textlich haben Fink ihren amerikanischen Vorbildern genau auf die Finger und die Lippen geschaut: "Ich weineinen Fluss" ist eines wunderschönes Lebwohl, das auch von Green On Red oder dem American Music Club stammen könnte.
All diese Schwärmerei kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass es sich um sehr traditionelle Musik handelt.
Die bisherigen Fans werden wieder begeistert sein, vielleicht einige neue dazukommen.
Zum Glück schielen diese Männer nicht nach Chart-Plazierungen, sonst wäre diese Platte wohl gar nicht entstanden. (vf)
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  Ocean Color Scene: Mechanical Wonder (Island/Mercury)

Das Coverfoto ist wieder einmal vielversprechend. Doch die Musik der Band aus Birmingham ist enttäuschend und uninspiriert wie eh und je.
Bei den leiseren Liedern fällt das besonders auf, da sie diese mit furchtbaren Streichern aufpeppen wollen. Die rockigeren Songs funktionieren da noch etwas besser, aber wirklich druckvoll sind sie auch nicht.
Was positives zum Schluss: Als Hintergrundmusik ist "Mechanical Wonder" gut geeignet. Das ist aber schon alles. (vf)
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  Stereophonics: J.E.E.P. (V2)

Auf ihren ersten beiden Alben empfahlen sich die Stereophonics als Anwärter für die Rettung des in der Krise steckenden Britpop.
Lieder wie "A thousand trees" ließen auf das ganz große Album hoffen.
Mehr ist es auch diesmal nicht geworden.
"Mr. Writer", die erste Single-Auskoppelung, steht symptomatisch für das gesamte Album. Ein guter Song, aber nicht ihr "Boys and girls" oder "Champagne Supernova".
Andererseits: Es können nicht alle in der ersten Liga mitspielen. Trotzdem besitzen ihre Lieder Charme (vf).
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  The Hellacopters vs. The Flaming Sideburns: White Trash Soul (Bad Afro Recs./Ixthuluh)

Eine Split-EP der Spitzenklasse präsentieren die beiden skandinavischen Bands: The Hellacopters geben zwei Smokey Robinson- und ein Flaming Sideburns-Cover, die Sideburns zwei eigene Kracher und wagen sich über "Psyched Out And Furious" von den Hellacopters.
Schwerer, dreckiger, trashiger Spät-60er- und Früh-70er orientierter Rock mit Orgel und allem was dazu gehört.
Sechs tolle Nummern, wobei die Sideburns ihre bei weitem bekannteren Kollegen sogar an die Wand spielen.
Sechs Songs, die sich niemand entgehen lassen sollte. (vf)
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  Snowpatrol: When Its All Over We Still Have To Clear Up (Jeepster/Ixthuluh)

Es bietet sich an nur zu sagen, Snowpatrol sei eine Jeepster-Band. Beim Label von Belle and Sebastian und Gentlewave sind sie mit ihrem britischem Pop auch bestens aufgehoben.
"When Its All Over..." ist ihr zweites Album und es enthält neben der schon bekannten Single "Ask Me How I Am" auch die neue "One Night Is Not Enough".
Damit haben sie das Niveau ihres Erstlings locker gehalten. Der Sound ist weiter entwickelt und neben dem Gitarren-Grundgerüst gibt es spärlich und zielsicher eingesetzte Moogs, Pianos, Bläser und Streicher.

Um allen Vorwürfen zuvor zu kommen: Natürlich ist dieser Stil bekannt. Doch wer solche Lieder auf die Beine stellt, steht über dem Stress nach dem nächsten Trend. Diese Ruhe strahlt jedes einzelne Lied aus. Großartig und bedenkenlos zu empfehlen. (vf)
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  Kristin Hersh: Sunny Border Blue (4AD)

Kristin Hersh macht ihr ganz eigenes Ding. Sie spielt alle Instrumente und produziert selbst.
Das ist wahrscheinlich notwendig, denn ihre Lieder erzählen so persönliche Geschichten, dass sie nur schwer umzusetzen wären, wenn andere Menschen daran beteiligt wären.
Musikalisch bewegt sich ihr neues Album zwischen den Polen des Rock ihrer alten Band, den Throwing Muses, und den akustischen Folksongs ihrer letzten Platte "Strange Angels". Zum Neuentdecken von Kristin Hersh eignet sich "Sunny Border Blue" damit sicher besser als ihre früheren Solowerke. Wer die Sängerin schon kennt, wird alles finden, was sie ausmacht: Das kraftvolle und sanfte Gitarrenspiel, die düstere Symbolik und natürlich ihr eigenartiger Gesang.
Ein nettes Detail am Rande: Das Cover erinnert stark an das Letzte Gentle Waves-Album. Und das kann ja nicht falsch sein. (vf)
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  16 Horsepower: Hoarse (Glitterhouse/Hoanzl)

Ganz neu ist dieses Live-Album der Endzeit-Anbeter aus Colorado nicht. Die Aufnahmen aus 1998 (es gibt also keine Lieder aus "Secret South"!) waren im letzten Jahr per Mailorder zu haben, doch nun hat Glitterhouse endlich erkannt, dass diese Konzertmitschnitte zu schade wären, um dort eine Schattenexistenz zu führen.
Höhepunkt des Albums ist Joy Division-Cover "Day of the Lords".
David Eugene Edwards zelebriert Verzweiflung, Resignation und Angst vor dem Jenseits auf schaurig schöne Weise. Ich würde kein Wort von ihm bezweifeln. (vf)
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  Jim White: No Such Place (Luaka Bop/Virgin)

So hat traditionelle amerikanische Populärmusik eine Chance, auch in Europa wahrgenommen zu werden.
Jim White singt über eigenartige Begegnungen (Handcuffed to a fence in Mississippi), über die ewigen Fragen der Menschen (God was drunk when he made me) und die stets nötige Hoffnung (The love that never fails).

Diese netten, hinterfotzigen und zärtlichen Texte trägt er zu seiner eigentümlichen Version von Country-Blues vor.
Wer will, kann Vergleiche zu vielen US-Sängern, die sich instinktiv zwischen alle Sessel setzen, ziehen.

Mein Vorschlag: Ein einsamer Abend, geistige Getränke nach Lust und Laune und ein CD-Player mit Fernsteuerung oder Repeat-Taste. (vf)
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  Superpunk: Wasser Marsch (Lado)

Durch den Namen sollte man sich nicht abschrecken lassen.
Bei Superpunk handelt es sich nicht um einen peinlichen deutschen Blink- oder Green Day-Klon, sondern um Powerpopper reinsten Wassers.
Ähnlichkeiten zu Jam, Housemartins oder The Truth drängen sich einfach auf. Neben dem geradlinigen Gitarrengerüst sorgen Bläser und Orgel für Partystimmung, denen sich die Füße nicht entziehen können.
Die Texte rutschen zwar manchmal ins bemüht-komische ab, doch meistens gehen sie auf. "Auf ein Wort Herr Fabrikant" oder "Neue Zähne für meinen Bruder und mich" stehen für die eher ironisch-politische, "Bleib Deinen Freunden treu" für die persönliche Seite. Sehr gelungen. (vf)
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  Steve Wynn: Here Come The Miracles (Blue Rose)

Dieser Mann muss eine Mission haben. Seit den frühen 80er-Jahren, als er mit Dream Syndicate erstmals auf sich aufmerksam machte, ist er nie ganz verschwunden. Als Labelgründer, solo oder mit Gutterball versorgte er uns regelmäßig mit hervorragender Musik.
"Here Come The Miracles" ist sein achtes Solo-Album und zur Sicherheit gleich ein doppeltes. Es enthält 18 Lieder, die er mit Hilfe von Chris Brakow und Linda Pitmon (die beiden haben ihn schon auf seiner letzten Tour begleitet), Chris Cacavas (ex-Green On Red) und Dave De Castro Ende 2000 aufgenommen hat.

Um es vorweg zu nehmen: Es ist sein bestes Solo-Album geworden. Es wirkt wie ein Überblick und eine Zusammenfassung all dessen, was er in den letzten 20 Jahren gemacht hat. Vage Anspielungen an Lou Reed (Butterscotch) und Neil Young (Southern California Line), sonst gibt er langsame Balladen, verfremdete Stimmen und läßt es meist doch rocken.

Besonders gut klappt das Zusammenspiel mir Drummerin Linda Pitmon und Chris Cacavas an den Keyboards, seinem Weggefährten aus Paisley Underground-Zeiten, denen er genügend Platz neben sich lässt. Geheimnisvoller als sonst sind die Texte. Beim ersten Anhören wirken sie erschreckend pessimistisch und Lieder wie "Death Valley Rain" (Im buying time but Ive got no place to put it), "Sunset To The Sea" (Gonna be the death of me) oder "Smash Myself To Bits" lassen nur wenig Platz für ironisches Augenzwinkern.
Dem entsprechen auch die Cover-Fotos, die ihn mißmutig oder mit abwesend-leerem Blick zeigen. Doch dann Mitte der zweiten CD die Erleichterung: "Watch your step, Im not the one whos gonna take it to the other side; Im not the one whos gonna go and find a place to hide". Zum Abschluss der Ohrwurm "There Will Come A Day", eine Kampfansage an alle Widrigkeiten des Lebens. Perfekt.

Natürlich wird Steve Wynn auch mit diesem Lied nicht der große, längst verdiente Durchbruch gelingen.
Natürlich wird er auch bei den nächsten Konzerten in Österreich vor maximal 100 ZuhörerInnen spielen.
Doch hätte er sich damit nicht arrangiert, hätte er wohl schon längst das Handtuch geworfen. Und ich werde dieses Album die nächsten Monate rauf und runter hören. In einigen Wochen werde ich aber wieder sehnsüchtig auf sein nächstes warten. Hoffentlich nicht allzu lang. (vf)
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